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	<title>Blook &#34;Osrath: Das Herz der Stadt&#34;</title>
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	<description>Ein dystopischer Steamfantasy-Roman</description>
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		<title>Blook &#34;Osrath: Das Herz der Stadt&#34;</title>
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		<title>Ausblick II</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Dec 2009 11:21:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8222;Was suchst du da? Das selbe wie immer?&#8220; Gorim war über den den Anzeigeschirm eines kleinen Terminals gebeugt und hatte eine Suchanfrage gestartet. Er erkannte die Stimme desjenigen, der ihn ansprach. Ohne sich umzudrehen, antwortete er: &#8222;Ja. Keine Ahnung, warum ich das immer wieder versuche. Keine Antwort auf meine Anfrage. Ich weiß noch nichtmal, wer [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=44&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Was suchst du da? Das selbe wie immer?&#8220;</p>
<p>Gorim war über den den Anzeigeschirm eines kleinen Terminals gebeugt und hatte eine Suchanfrage gestartet. Er erkannte die Stimme desjenigen, der ihn ansprach. Ohne sich umzudrehen, antwortete er: &#8222;Ja. Keine Ahnung, warum ich das immer wieder versuche. Keine Antwort auf meine Anfrage. Ich weiß noch nichtmal, wer das sein soll, aber das ist eine Spur, die ich habe. Meine Nachrichten werden nicht beantwortet, nichts passiert.&#8220; Müde schlug er mit der flachen Hand auf den verschweißten Kasten des Terminals.</p>
<p>Jeder Osrathi hatte Zugang zu diesem System und konnte es verwenden, um sich zu bilden, kleine Texte zu lesen oder mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben, die in einer der anderen Ebenen lebten. Eines Tages hatte Gorim eine Nachricht erhalten, in der ihn jemand fragte: &#8222;Mika. Erinnerst du dich?&#8220; Der Absender war anonym geblieben und auch die Bitte Gorims an den verantwortlichen Techniker, für ihn herauszufinden, wer derartige Nachrichten schrieb, blieb ohne befriedigende Antwort.</p>
<p>Seitdem hatte er fast jeden Tag unterschiedlichste Suchanfragen gestartet, die ihm erklären sollten, wer oder was Mika war. Eines Tages war eine Nachricht eingetroffen, deren Inhalt ihn offenbar davon abbringen sollte, die Suche fortzusetzen, doch dies war das einzige, was ihn scheinbar mit seiner Vergangenheit verband &#8211; die Frage &#8222;Erinnerst du dich?&#8220; hämmerte immer wieder in seinem Kopf. Alles war weg, er musste die einfachsten Hilfsarbeiten erledigen, weil ihm nur sein Name geblieben war, nicht einmal seine Ausbildung &#8211; um was auch immer es sich dabei handelte, war ihm eine Stütze. Immer wieder hatte er sich versetzen lassen in der Hoffnung, eine Arbeit zu erhalten, die ihm leichter von der Hand ginge als alles andere, die ihm einen Hinweis darauf liefern konnte, was er früher getan hatte. Nun war er schon Kohleschaufler, Kesselputzer, Maschinenschmierer und Lagerarbeiter gewesen &#8211; und nirgends auch nur ein Funken Erinnerung.</p>
<p>Er spürte eine Hand auf seiner Schulter. &#8222;Wir gehen dann noch eine Runde schwimmen, willst du mitkommen? Irgendwie bekommen wir dich da schon reingeschmuggelt.&#8220; Gorim malte sich das diebische Grinsen im Gesicht seines Freundes aus und musste unwillkürlich auch selbst lächeln. &#8222;Alles klar, geht schonmal vor, ich muss noch mein Zeug holen. Treffen wir uns vor dem Einlass?&#8220; In Wirklichkeit hatte er ohnehin vor, schwimmen zu gehen und sogar eine Stunde seines Freizeitkontos belastet, um sich die Entspannung zu gönnen. Wer so niedere Arbeiten verrichtete wie er, dem war ein wenig Zeit zum Abspannen nur selten gegeben.</p>
<p>Während er weitersuche, rekapitulierte er, was er überhaupt über sich selbst wusste. Man hatte ihm gesagt, dass er bei einem schweren Unfall in einer anliegenden Ebene beteiligt gewesen sei. Ihn treffe zwar keine Schuld, aber aus Geheimhaltungsgründen dürfe man ihm nicht erzählen, was sich genau zugetragen hatte. Man gab ihm das Gefühl, dass sein Gedächtnisverlust ein nur allzu willkommener Umstand sei. Von Freunden hatte er dann erfahren, dass es sich um keine seltene Krankheit handelte &#8211; offenbar gab es einige Anlagen, die mit Chemikalien arbeiteten, die bei einer Vergiftung derartige Folgen haben konnten. Weitere Gerüchte und Geschichten vom Hörensagen wurden Gorim zugetragen, aber er hielt meist nicht viel auf sie und glaubte auch kaum, dass ihm wilde Theorien helfen würden.</p>
<p>Wenigstens hatte er nach Wochen der Einsamkeit, in der sich keiner mit ihm abgeben wollte, überhaupt ein paar Freunde gefunden, denen er sich anvertrauen konnte. Sie hatten immer wieder am gleichen Tisch gesessen und waren schließlich ins Gespräch gekommen. Banal und alltäglich wie beinahe alles in Osrath hatte es sich ums rasieren gedreht: &#8222;Ich glaube, die Klingen sind mit Absicht so stumpf, damit es keiner  zu einfach hat, sich die Pulsadern aufzuschlitzen.&#8220; hatte er in die Diskussion eingeworfen und damit einige Lacher geerntet. Ein paar witzige Bemerkungen gingen hin und her und man sah am verstohlenen Augenzwinkern, dass sich Menschen getroffen hatten, die auf einer Wellenlänge lagen. Es stellte sich heraus, dass einer der Männer sogar im gleichen Bereich arbeitete wie Gorim &#8211; damals noch im Heizraum. Saiban war ein großspuriger Aufschneider, der die anderen immer wieder mit ganz offensichtlich erfundenen Weibergeschichten beigeisterte &#8211; aber auch er schien zu wissen, dass sie ihn durchschaut hatten und so gab er sich schließlich gar keine Mühe mehr, nicht allzusehr zu übertreiben. Dennoch erzählte er immer so, als wäre er es höchstpersönlich gewesen, der sich ständig in der Umkleide der Frauen versteckte und dann  jene beglückte, die als letzte ging.</p>
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		<title>Ausblick</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 13:52:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romantext]]></category>

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		<description><![CDATA[Tief unter der Erde lag Osrath. Wer es einst schuf und woher seine Bewohner stammten, wusste keiner mehr. Nie sah man einen Strahl der Sonne, nie verirrte sich jemand von außerhalb in die düsteren Gänge der zwanzig Ebenen. Kein Freund trieb jemals mit der Stadt Handel und kein Feind sah jemals ihre Macht. Verirrten Geistern [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=40&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tief unter der Erde lag Osrath. Wer es einst schuf und woher seine Bewohner stammten, wusste keiner mehr. Nie sah man einen Strahl der Sonne, nie verirrte sich jemand von außerhalb in die düsteren Gänge der zwanzig Ebenen. Kein Freund trieb jemals mit der Stadt Handel und kein Feind sah jemals ihre Macht.</p>
<p>Verirrten Geistern gleich schlichen die Menschen durch die Tunnel und arbeiteten an der Perfektion der Stadt &#8211; sie wurden nur gebraucht, um das Erreiche immer wieder neu zu formen und am Leben zu erhalten. Titanische Maschinen zogen sich über mehrere der Ebenen und gaben mit ihrem Brummen, Scharren, Quietschen und Hämmern den Takt an, eine melodielose Musik, die vom Anfang aller Zeiten bis ans Ende aller Zeiten gleich spielen sollte.</p>
<p>Wehe dem, der außer Takt geriet. Menschen wurden gehalten, gezüchtet und verwertet wie Vieh &#8211; wer keine Leistung mehr brachte, wurde entsorgt. Es gab keine Gräber für die Toten, ihre Körper wurden nicht verscharrt und ihr Andenken nicht gepflegt: Wer starb, war vorbei, hörte auf zu existieren und wurde vergessen.</p>
<p>Trotzdem stand der Arbeiter jeden Morgen auf, wusch sich am kleinen Stahlwaschbecken und begann mit der Rasur.</p>
<p>Das Essen wurde in großen Speisesälen gefasst, zwanzig Mann an einem Tisch, alle die selbe Speise. Zäher grauer Brei quoll in den Schüsseln der Menschen und in ihren Köpfen, wurde mit jedem Löffel fader und zog, wenn man ihn zu sehr beachtete, Fäden. Der Schmutz der Arbeit wurde nach dem Tag in großen Duschräumen abgewaschen, alle standen nackt und bloß unter dem trüben Wasser, dass müde aus den Leitungen plätscherte und nie wirklich warm wurde.</p>
<p>Ohne nach links und rechts zu schauen, holte der Arbeiter seine Mahlzeit ab und setzte sich, in der Schüssel schwappte der Brei, der nie gleich war, sondern jeden Tag unterschiedlich grau und unterschiedlich zäh. Es gab eine Scheibe harten Brotes dazu.</p>
<p>Am Abend bezog man wieder sein Quartier, dass man sich mit drei oder fünf anderen teilte, löschte das Licht und stand am nächsten Tag auf. So hatte man es gelernt. Kinder durften nur mit Erlaubnis gezeugt werden, wurden den Eltern bald weggenommen und gemeinsam zu guten Arbeitern erzogen. Wer schlau und zäh genug war, durfte auch andere Berufe lernen, doch das traf unter hundert Sprösslingen auf fünf zu.</p>
<p>Der Arbeiter hatte fertig gespeist und trottete träge der Schlange jener hinterher, die ihre Schüsseln zurückgaben. Er stellte das Gefäß aufs Band und folgte jenen, die Ausgang C-2 zustrebten.</p>
<p>Überwacht wurde all dies von Tilia, einer Art wohlwollender Dea ex machina, die über Lautsprecher oder Terminals zu jedem Arbeiter sprechen konnte. Sie entschied über fast alles in Osrath und sorgte dafür, dass jeder das hatte, was er zum Überleben brauchte. Arbeitslosigkeit oder Armut existierten nicht, Verbrechen beinahe nicht. Auch für Abwechslung war gesorgt: In der freien Zeit konnte jeder Einwohner der Stadt bestimmten Tätigkeiten nachgehen, so gab es Badeanstalten, Musizierkreise oder Boxställe.</p>
<p>Wie jeden Morgen hielt der Arbeiter seine Marke, die unter die Haut am Handgelenk eingelassen war, an einen Sensor vor der Ausgangspforte und trottete sogleich weiter, nachdem er das Signal erhalten hatte. Ihm taten es hunderte gleich.</p>
<p>Jede Ebene Osraths durchmaß eine Höhe von etwa 30 Metern, darin konnten Zwischenböden eingezogen werden, große Räume &#8211; wie der Speisesaal &#8211; wurden aber offen gelassen. Überall existierten Lüftungsschächte, Transportleitungen, Wasser-, Dampf- und Ölrohre, die sich als feinspinstiges Netzwerk durch alle Ebenen zogen. Zugang erhielt man nur zu bestimmten Ebenen, wer am falschen Ort erwischt wurde, musste mit harten Strafen rechnen.</p>
<p>Am Eingang zu seiner Produktionshalle zog sich der Arbeiter um &#8211; er entledigte sich seines groben Anzugs und stieg in einen gelb gummierten Schutzmantel, der ihn vor der Umgebung schützen sollte und die Umgebung vor ihm. Dann ging es ans Werk: Große Kessel putzen, montieren, füllen und leeren. In ihnen wucherten Pilze, aus denen die Nahrung hergestellt wurde, die man den Osrathi auftischte. Keiner von ihnen wusste genau, welche Zusatzstoffe und welche Behandlung schließlich dafür sorgten, dass der unausstehliche Geruch, dem man sich an diesem Arbeitsplatz ausgesetzt sah, nicht weiterhin Bestand hatte und man den Fraß ohne Erbrechen herunterwürgen konnte.</p>
<p>Sicherlich gab es auch andere Orte, an denen Nahrungsmittel produziert wurden: Gläserne lichtdurchflutete Tanks, in denen Algen und essbare Tange wuchsen, gewaltige Arborethen, in deren hell erleuchteten Hallen Pflanzen auf künstlichen nährstoffgetränkten Kissen wuchsen und Ställe, in denen Vieh gezüchtet wurde, wie man es auch bei den Menschen kannte. Viel von diesen wundersamen &#8222;echten&#8220; Speisen bekam man als gewöhnlicher Arbeiter aber nie zu sehen. Schon an einem solchen sauberen Ort helfen zu dürfen, war eine große Gnade, war es doch praktisch ein Geschenk im Vergleich zu den Erzgruben, Schmelzöfen, Leichenverbrennungsanlagen, Waffenschmieden oder Maschinenhallen.</p>
<p>Nach zwölf Stunden schweißtreibender Arbeit mit kurzten Pausen zog sich der Arbeiter wieder aus, war unter dem gummierten Mantel nur noch zur hälfte Mensch und zum Rest schon im eigenen Saft gesotten. Er warf die Kluft auf den Haufen für die Wäsche und freute sich auf die Dusche.</p>
<p>Beim Ausziehen stieß ihn eine Frau an und fragte: &#8222;Na, Gorim, irgendwelche Erinnerungen zurückgekehrt?&#8220;</p>
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		<title>Ohne Rast und ohne Ruh&#8217; Teil IV</title>
		<link>http://osrath.wordpress.com/2009/09/23/ohne-rast-und-ohne-ruh-teil-iv/</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Sep 2009 20:05:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Berika, eine seiner damaligen Spielkameradinnen, leistete ihm nach ihren Schulstunden oftmals Gesellschaft und versuchte ihm die Lektionen des vergangenen Tages einzutrichtern, so gut sie konnte. Einmal, er besuchte bereits die letzte Klasse, ging es ihm besonders schlecht. Von Schüttelfrost und Bauchkrämpfen gepeinigt konnte er nur unter Aufbieten all seiner Kräfte mit ihr sprechen. An diesem [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=35&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Berika, eine seiner damaligen Spielkameradinnen, leistete ihm nach ihren Schulstunden oftmals Gesellschaft und versuchte ihm die Lektionen des vergangenen Tages einzutrichtern, so gut sie konnte. Einmal, er besuchte bereits die letzte Klasse, ging es ihm besonders schlecht. Von Schüttelfrost und Bauchkrämpfen gepeinigt konnte er nur unter Aufbieten all seiner Kräfte mit ihr sprechen. An diesem Tag bemerkte er zum ersten Mal, wie sehr er ihre Anwesenheit genoss, wie viel Ruhe und Kühlung sie ausstrahlte.</p>
<p>Berika berichtete gerade: “Wir haben heute die Konstruktionslehre abgeschlossen und uns einige Details des Mechanistenturmes angesehen. Zum Glück wird das in der Klausur nicht drankommen, keiner hat auch nur die Hälfte verstanden.“</p>
<p>„Hach, ich bezweifle, dass Lehrmeister Aicah mehr Verstand bewiesen hätte. Der hat das bestimmt aus einem Buch, um euch zu beweisen, wie viel schlauer als ihr er doch ist.“</p>
<p>Berika setzte ein bestürztes Gesicht auf und antwortete: „Sowas darfst du nicht sagen. Sicher fällt die Auswertung dieser Pläne jedem, der nicht die Baukunst studiert hat, schwer, aber Aicah machte einen sicheren Eindruck.“</p>
<p>So von einer Respektsperson wie einem Lehrer zu sprechen, war unerhört und Shmul hoffte, dass eine Geschwister oder Eltern nichts davon mitbekamen. Gerade sein Vater war sehr streng und hatte ihm schon mehrmals „einen gesunden Respekt“ eingebläut. Aber ihn reizte es zu widersprechen: „Vratos war vorhin schon hier und hat seine Mitschriften dagelassen. Ich habe in den Berechnungen unseres verehrten Lehrers schon drei Fehler entdeckt. Wenn man ihn mit diesem Bau betraut hätte, wäre der Turm schon eingestürzt.“ Sein kindlicher Hochmut, gemischt mit der Tatsache realer Überlegenheit stachelte ihn gelegentlich zu derartigen Bemerkungen an. Auch wenn er selbst nicht sicher war, wie ernst er es meinte.</p>
<p>Berika lächelte unsicher. Sie tätschelte Shmuls Hand und beschwor damit erneute, vom Fieber unabhängige Hitzeschübe in ihm herauf. „Wenn du nur nicht so oft krank wärst. Ich vermisse es, mit dir durch die Straßen zu ziehen – morgen wollen die anderen versuchen, in die Tiefebene zu gehen. Die Treppen selber sind ja nicht bewacht. Aber für mich ist das nichts, irgendjemand sollte sie wohl aufhalten und erklären, warum dass nicht richtig ist. Ich will sie aber auch nicht verraten. Wärst du da, könntest du doch so was bestimmt tun, oder?“</p>
<p>Shmul grinste breit. „Sicher, ich würde ihnen einen Einlauf machen, den sie so schnell nicht vergessen. Ich könnte sie ja verprügeln – ach nein, ich bin ja einen halben Kopf kleiner als all die anderen. Und viel dünner.“ Zum Beweis zog er den dünnen Stoff seines Schlafhemdes über seinem Bauch straff. Man konnte einzelne Rippen zählen.</p>
<p>„Du Scherzkeks! Ich sollte dich&#8230;“ sie tat so, als wollte sie ihn kneifen, hätte sich aber im letzten Augenblick dazu durchgerungen, ihn zu verschonen. Er sah wirklich nicht gut aus.</p>
<p>Mit Berika verbrachte Shmul immer mehr Zeit und schließlich gestanden sich beide ein, einander zu lieben. Sie verbrachten so viele ihrer Tage und besonders ihrer Nächte, miteinander, wie sie konnten. Mittlerweile hatten sie mit der Schule abgeschlossen. Während sie sich bemühte, eine Lehre als Medizinerin zu meistern – Pfleger wie Ärzte hatten zunächst die selbe Ausbildung und trennten sich erst später je nach Eignung und Vorlieben, ging der junge Uzgdan in die Bauabteilung der Stadt und stieg in der Hierarchie der Lehrlinge schnell zum Liebling des Meisters auf.</p>
<p>Schließlich war es an der Zeit, eine eigene Familie zu gründen. Eine neue Wohnung bekam man nur zugeteilt, wenn man eine feste Verbindung einging – rechtskräftig verheiratet zu sein bedeutete in Osrath zu dieser Zeit, nie wieder getrennte Wege zu gehen. Gehen zu dürfen. Denn die Stadtverwaltung gewährte eine Scheidung der Ehe nur nach dem Tode. Dies war auch dem extremen Wohnraummangel geschuldet, unter dem die Stadt zu dieser Zeit litt. Die illegalen Slums wuchsen – doch Shmul und Berika hatten es nicht nötig, in eine solche Bruchbude zu ziehen. Sie gaben sich die rituellen Versprechen der Ehe und machten sogleich von dem neuen Recht, ein Kind zu zeugen, Gebrauch. Die strengen Geburtenkontrollen griffen nach dem ersten Baby – es galt als Privileg, mehrere Nachkommen bekommen zu dürfen – auch das eine Folge der überfüllten Stadt.</p>
<p>In der Zwischenzeit der Schwangerschaft schloss er seine Ausbildung mit Auszeichnung ab und gewann auch an Gesundheit. Seine aufstrebende Karriere machte es ihm möglich, sich einer Behandlung der Magier zu unterziehen. Seitdem war er den größten Teil seiner Probleme los und konnte, wie jeder andere Osrathi, die normalen Rationen zu sich nehmen. Er war nicht mehr auf frische Lebensmittel angewiesen, aber in seinem Verständnis war es keine Verschlechterung, diese nicht mehr zugeschanzt zu bekommen. Er war froh, genau das gleiche Essen zu sich zu nehmen, wie alle anderen Osrathi.</p>
<p>„Bist du verrückt? Du hattest doch den besten Weg vor dir. Wenn du nur ein wenig Geduld gehabt hättest, hättest du genug Privilegien angesammelt, um jeden Tag, jede Mahlzeit frisches Essen zu bekommen!“ sprachen ihn seine Mitlehrlinge an. Doch er schwieg zu diesen Versuchen, ihn aufzuziehen. Ihm war bewusst, dass er sie alle überflügeln würde, schon seine Übungsstücke zeigten Kenntnisse und Fähigkeiten, derer sich nicht einmal seine Lehrer rühmen konnten.</p>
<p>Schließlich nahm ihn einer seiner Ausbilder in einen kleinen Betrieb mit, um ihn dem dortigen Aufseher vorzustellen. Meister Jorasch, wie ihm sein Lehrer erklärt hatte, war ein gelehrter, aber auch arbeitsamer Mann, der viele fleißige Hände brauchte. In der Halle der Werkstadt wurden Stahlträger geformt und verschweißt, an allen Ecken rauchte und qualmte es, Shmuls Kehle war wie zugeschnürt. Gleichzeitig blickten ihn die meisten Arbeiter eher mürrisch an – keiner lächelte, offenbar war es eine harte Arbeit und der Aufseher ein strenger Mann.</p>
<p><em>Bei meinem Vater, in der Drahtzieherei, war es meist ganz lustig. Wenn ich ihn besucht habe, hatte jeder Zeit für einen kleinen Schwatz oder um mir etwas zu erklären.</em> Orlok, der Chef des kleinen Unternehmens, war zwar nicht besonders gesprächig, aber er erlaubte den Leuten, die es nicht übertrieben und trotzdem sicher und genau arbeiten konnten, gelegentlich sogar, Bier zu trinken und sich zu unterhalten. Von solchen Gewohnheiten war bei Joraschs Baustube nichts zu erkennen. Verschwitzte Schweißer hinter verdreckten Masken hoben nur kurz die Köpfe, um den Neuankömmling zu mustern. Die Art, wie sie danach zu ihrem Aufseher sahen und sich sofort wieder ihrer Arbeit zuwendeten, sagten Shmul, dass es hier sehr streng zugehen musste.</p>
<p>Jorasch hatte einen eindrucksvollen Bierbauch, war aber ansonsten nicht besonders stattlich gewachsen. Er mochte Shmul nur bis zum Haaransatz reichen, schien ihn aber trotzdem aus luftigen Höhen zu mustern. Seine Kleidung war sauber, seine Hände bei der Begrüßung weich und nicht schwielig, er hatte wohl noch nie körperlich hart gearbeitet. Sein ganzer Stolz schien in seinen Haaren zu liegen, die er aufwändig glatt nach hinten gekämmt und reichlich pomadiert hatte. Doch so viel Pflegemittel er seinem Kopfbewuchs widmete, so wenig Zeit schien er in den Rest des Körpers zu investieren, seine Haut wirkte unrein. Und beim Sprechen – so merkte Shmul später – roch er sauer.</p>
<p>„Dies ist Shmul, von dem ich schon viel erzählt habe, er ist fleißig und gelehrig und alles, was sich um das Bauen und Planen von Gebäuden dreht, geht ihm besser von der Hand als so manchem gestandenen Meister.“ stellte ihn sein Lehrer vor. Der Aufseher senkte den Kopf anerkennend.</p>
<p>„Achja, ich bin Meister Jorasch. Ich möchte von dir vorerst keine andere Anrede hören, junger Mann, der Meistertitel ist etwas, was man sich verdienen und dann mit Stolz tragen muss. Mal schauen, wie lange du dafür brauchen wirst. Scheinst ja nicht besonders kräftig zu sein, aber du kannst ja erst einmal in der Schreibstube helfen. Bilde dir nicht ein, dass du gleich am Anfang die großartigsten Aufträge bekommst, aber du wirst Gelegenheit erhalten, dich zu bewähren.“</p>
<p>Shmul wusste nicht, was er auf diese Begrüßung antworten sollte, also klappte er einfach seinen Mund wieder zu und nickte einmal vorsichtig. Sein Lehrmeister schien Jorasch schon eher gewohnt zu sein und meinte schnell: „Keine Sorge, er ist nicht immer so schweigsam, stell ihm einfach eine ordentliche Aufgabe und er wird schon auftauen.“</p>
<p>Der Aufseher nickte und gab zurück: “Mit deinen Schülern hatte ich ja bisher auch kaum Probleme, ich vertraue darauf, dass dieser hier genauso fügsam ist.“, ohne seinen neuen Arbeiter weiter zu beachten.</p>
<p><em>Also bin ich jetzt einfach nur irgendein unbeteiligter Dritter? Er hat sich doch meinen Namen gemerkt oder? Morgen sollte ich mir ein Namensschild machen. Und heute Nacht werde ich wohl einige Vorstellungen von meinem Arbeitsplatz beerdigen können.</em> Shmul lief es, bei der Vorstellung, jetzt immer für Jorasch arbeiten zu müssen, kalt den Rücken herunter.</p>
<p>Der kleine dicke Mann nahm ihn bei der Hand und führte ihn sofort an seinen neuen Arbeitsplatz. Dieser Aufseher sollte ihn noch lange quälen. In Osrath war es nicht üblich, sich auf eine Arbeitsstelle zu bewerben, man hatte überhaupt keinen Einfluss darauf, welcher Arbeitsgruppe man zugeteilt wurde. Nur die wenigen Auserwählten, die sich als tauglich zum Mechanisten oder gar Magier erwiesen, hatten die Möglichkeit zur Wahl.</p>
<p>Lerinas Jorasch war seines Zeichens nicht nur Aufseher, sondern auch Konstruktionsleiter und – so seine Untergebenen – Sklaventreiber. Nie konnte man es ihm recht machen, nie wirkte er fröhlich oder zufrieden. Sicherlich wurde er von höherer Stelle oft unter Druck gesetzt, doch das allein gereichte nicht zur Erklärung seiner Menschenfeindlichkeit. Er nahm sich das Recht heraus, Arbeiter oder Planer länger schuften zu lassen, als zulässig, drohte mit Klagen und erfundenen Vorwürfen für den Fall, dass sich jemand über ihn beschwerte.</p>
<p>Die Abende und Nächte bei Berika leisteten ihm keinen Ausgleich mehr für die Anstrengungen und Erniedrigungen, die er tagsüber erleben musste. Sie begannen häufig zu streiten – sie warf ihm vor, er würde zu lange arbeiten und sich weder um sie noch um das werdende Kind kümmern. Er gab zurück, sie hätte gar kein Verständnis für ihn und seine Situation.</p>
<p>Dann, eines Tages, starb Berika. Mit ihr ging das ungeborene Kind. Shmul war mit ihr zu Bett gegangen und als er aufwachte, atmete sie nicht mehr. Alle Versuche, sie ins Leben zurückzurufen, scheiterten. Er war wochenlang nicht in der Lage zu arbeiten, wollte sich ein Ende setzen und wurde schließlich in die Notfallstation für Geisteskranke gebracht, wo er mehrere Wochen verbrachte.</p>
<p>Als er dann, nach insgesamt vier Monaten, wieder in der Baustube vorbeischaute und sich anmeldete, bald wieder zu arbeiten, erlebte er Jorasch im schlimmsten Wutgeschrei aller Zeiten. Anschließend durfte er zehn Tage lang Klos putzen und den Boden fegen – und wehe, er kam einem Zeichentisch auch nur nahe. Alle seine Entwürfe wurden geändert, seine besten Ideen landeten im Papierkorb. „Uzgdan? Rundablage!“ hörte man den Giftzwerg, wie Shmul ihn innerlich immer öfter nannte, in dieser Zeit ziemlich häufig sagen.</p>
<p>So konnte es nicht weitergehen. Er gab sich die Schuld am Tod seiner Frau, hasste sich dafür, mit ihr gestritten zu haben. Und nun übertrug er all diesen Hass auf seinen Aufseher. Doch er machte nicht etwa den Fehler, Jorasch direkt anzugreifen oder ihn zu schädigen. Für solche Fälle gab es in der Stadt die Möglichkeit, zum Beispiel ein Gespräch mit den Mechanisten oder anderen Vorgesetzten des Aufsehers. Shmul entschied sich für die erste Variante.</p>
<p>Er gelangte an eine junge Frau namens Hrahela, die ihn ohne viel Aufhebens in eine andere Position beförderte, nachdem sie seine Geschichte gehört und eine Eignungsbestätigung von seinem alten Lehrer angefordert hatte.</p>
<p>So kam es, dass Shmul in recht jungem Alter selber an die Stelle eines Konstrukteurs gelangte und durch seine Ideen großen Einfluss auf die Wohnhausarchitektur Osraths nahm. Seine Aufgaben lagen weniger darin, neue Gebäude zu errichten als vielmehr alte baufällige Häuser neu zu gestalten oder zu erweitern. Da es in Osrath nicht regnen, schneien oder hageln konnte, war es egal wie man die Bauwerke nach oben hin abschloss. Also hatte man die Chance, jedes Haus einfach weiter in die Höhe zu treiben. Zwar bildete die Stahlkuppel eine logische Begrenzung – erreicht wurde ihre strenge Wölbung allerdings nur vom Turm der Mechanisten.</p>
<p>Einmal kam dem jungen Mann, den man schon in so jungen Jahren Meister Uzgdan nennen konnte, zu Ohren, dass sich ein gewisser Meister Jorasch in seiner Baustube erhängt hatte, weil man ihm keine Aufträge mehr zum Planen, sondern nur noch zum Bauen – und zwar nach Uzgdans Entwürfen – erteilte. Diese Stunde feierte Shmul still mit einer Flasche echten Rotweins, denn mittlerweile hatte er sich eingestanden, wie gut doch die frischen, echten Lebensmittel schmeckten.</p>
<p>Nie hatte er wirklich Gelegenheit, den Verlust, den er erlitten hatte, zu verarbeiten. Er versuchte, sich mit anderen Frauen zu trösten, doch alles, was ihm je blieb, war das schale Gefühl, das gefälschte Bild eines großen Malers zu betrachten, Wasser statt Wein zu trinken oder nicht fertig gebackenes Brot zu essen.</p>
<p>„Shmul, wir haben uns deine Leistungen lange Zeit angeschaut und fragen uns, ob du dich für weitergehende Aufgaben bereit fühlst.“  Hrahela hatte die Angewohnheit, sofort zum Punkt zu kommen, offenbar war der Zeitplan einer Mechanistin sehr eng gestrickt.</p>
<p>Sie eröffnete ihm, was sie geplant hatte: „Eigentlich müsste ich dich gar nicht fragen, denn noch hat niemand es gewagt, die Berufung zum Ratsherren abzulehnen, aber in der Tat gebietet es die Form: Willst du, Shmul Uzgdan, der Stadt Osrath, deiner Heimat, deiner warmen fürsorglichen Mutter, als Mitglied des Rates dienen? Wir haben einen wichtigen Posten, den wir neu zu besetzen trachten – die Oberaufsicht über die Bauhöfe und Wohnplanung. Ratsmeisterin Thorim fühlt sich nicht mehr in der Lage, ihren Pflichten nachzukommen und wird bald aus Altersgründen aus dem Amt scheiden. Hoho, nicht so schnell&#8230; setz dich doch erst einmal.“</p>
<p>Während ihrer Darstellung war Shmul immer bleicher geworden, er spürte, wie ihm seine Knie den Dienst versagten und auch der Rest der Beine butterweich wurde. Gerade noch konnte er sich auf einen Stuhl setzen, dann blieb ihm eine Weile erst einmal nichts anderes übrig, als seine zitternden Gliedmaßen einigermaßen in Kontrolle zu halten. Mit aufgerissenen Augen starrte er die Mechanistin an, bis ihm klar wurde, wie unhöflich er sich verhielt. Immerhin hatte sie ihn nicht zum Tode verurteilt, sondern ihm eine Beförderung zum Ratsherren vorgeschlagen. Diese Ehre kam nur den wenigsten Bürgern zu und stellte eine der höchsten Auszeichnungen dar. Normalerweise waren Ratsherren ältere, gesetzte Leute mit viel Erfahrung und Würde. Shmul fühlte sich überfahren, aber auch geehrt.</p>
<p>„Mit Freuden würde ich dieses Angebot annehmen. Es wäre mir eine große Ehre, meine Fähigkeiten allen Osrathi zur Verfügung zu stellen.“</p>
<p><em>Moment. Was habe ich da eben gesagt? </em></p>
<p>„Wann kann ich anfangen? Ich hoffe, ich könnte vorher eine kleine Einweisung in die Gepflogenheiten der Ratsherren bekommen, ehe ich mich in die Dienste der Stadt stelle.“</p>
<p>Er wollte weg rennen, wollte sich verstecken und nichts mit der Sache zu tun haben, aber diese Worte waren gesprochen. In seinem Hinterkopf meldete sich eine Stimme, die offenbar kurz das Kommando übernommen hatte und die Verantwortung für diese Erklärung übernahm. <em>Warum eigentlich nicht? Das ist doch die Chance, auf die du immer gehofft hattest – erinnerst du dich noch an deine Kindertage, du alter Weltverbesserer? Nutze diese Chance, wenn du sie verstreichen lässt, könnte es sein, dass so eine Gelegenheit nie wieder auftaucht. DU hast sie überzeugt von deinen Fähigkeiten, deine Werke sprechen für dich! Also sei kein Holzkopf und tu, was du am besten kannst: Bau den Menschen Häuser.</em></p>
<p>Er wollte gerade zum inneren Widerspruch ansetzen, doch da fuhr ihm  Hrahela in die Parade und wischte mit der Aussicht auf extrem verbesserte Privilegien all seine Bedenken zur Seite.<em> Ein schöner Weltverbesserer bin ich – kaum lockt man mich mit ein paar Extrarationen, schon springe ich von der fahrenden Obergleisbahn.</em></p>
<p>An seine erste Begegnung mit dem Rat von Osrath würde er sich noch ewig erinnern, aber das war eine andere Geschichte&#8230;</p>
<p style="text-align:right;">wordcount: 2553</p>
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		<title>Ohne Rast und ohne Ruh&#8217; Teil III</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2009 23:12:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Meister Uzgdan hatte einige Zeit versucht, andere Mitglieder des Rates auf seine Seite zu ziehen, doch diesem Unterfangen war kein Glück beschieden. So wandelte er in Gedanken versunken durch den Turm der Mechanisten, wich dabei immer wieder den Angehörigen des Ordens aus, die sich durch lange blau-weiße Gewänder auszeichneten. Einige von ihnen trugen komplexe Geräte [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=32&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meister Uzgdan hatte einige Zeit versucht, andere Mitglieder des Rates auf seine Seite zu ziehen, doch diesem Unterfangen war kein Glück beschieden. So wandelte er in Gedanken versunken durch den Turm der Mechanisten, wich dabei immer wieder den Angehörigen des Ordens aus, die sich durch lange blau-weiße Gewänder auszeichneten. Einige von ihnen trugen komplexe Geräte durch die Gänge und Treppen, andere durften die Aufzüge nutzen, um schwere Maschinen und Mechaniken in die Werkstätten und Laboratorien zu bringen.</p>
<p>Alle von ihnen trugen das Mechanistenszepter, die zeremonielle Waffe. Dieser stabförmige Apparat wies am Ende eine Verdickung auf und wirkte damit wie eine Keule. Soweit Shmul jedoch wusste, ging seine Funktion weit darüber hinaus. Mit der Energiezelle am Gürtel des Mechanisten verbunden, verwandelte sich das Szepter in ein wie tausend Bienen summendes Monstrum, das in der Lage war, selbst den stärksten Gegner mit einer bloßen Berührung in die Knie zu zwingen. Einmal hatte Shmul mit angesehen, wie ein Einbrecher, von einem Mechanisten überrascht und mit der Waffe erwischt, zur Unkenntlichkeit verbrannte, während er sich zuckend am Boden wand.</p>
<p>Er schüttelte den Kopf und versuchte, das Bild wieder zu verdrängen, ließ es doch die Menschen, mit denen er jeden Tag zu tun hatte, in einem anderen Licht erscheinen. Der Orden der Mechanisten hatte eine mächtige Kirche in Osrath errichtet. Ihnen war es vergönnt, in den Geheimnissen der Mechanik, Elyktrik und Chymie eine umfassende Ausbildung zu erhalten und diese für das Wohl des Volkes einzusetzen. Reparaturen von Geräten und Auskünfte über Neuerungen und Segnungen verschiedener Apparate führte der Orden kostenlos durch. Nur, wer sich als würdig erwies, den Versuchungen, die die Technik mit sich brachten, zu trotzen, durfte sich intensiver mit ihren Geheimnissen beschäftigen. Während die Mechanisten draußen in der Stadt nur selten zu sehen waren, hielt sich offenbar der Großteil hier im Turm auf. Warum sie die Öffentlichkeit so scheuten, war Shmul nie ganz klar geworden, aber er hatte auch nie danach gestrebt, in den Orden aufgenommen zu werden, auch wenn dies viele Möglichkeiten im Rat eröffnet hätte. Von den Hinterbänken kam man eigentlich nur weg, wenn man mindestens Laienmitglied der Kirche war.</p>
<p>Ihm war die Ergebenheit der Mechanisten vor der Technik nicht geheuer – sie sahen sich als fleischlich unperfekt deutlich unterlegen und wollten trotzdem noch ihren Teil zur Verbesserung der maschinellen Perfektion beitragen. Seine Freunde hatten viel Energie investiert, ihn zu überzeugen, sich dem Orden anzuschließen. Doch Shmuls Sturheit in dieser Beziehung war unter seinen Bekannten schon fast sprichwörtlich geworden.</p>
<p>Was seinen Dickschädel anging, so wollte er sich diesmal selbst beweisen, dass er seinen Prinzipien treu blieb. Er war unterwegs zu einem Verwalter der Wohneinheiten, der seinerseits wiederum gute Kontakte zu weiteren Ratsherren und –frauen hatte. Er schlenderte durch die in sanftem Blau gehaltenen Gänge und grüßte ab und an einen Bekannten oder einen Höhergestellten. Im Kopf legte er sich bereits die Worte zurecht, die er nutzen wollte, um sein Anliegen vorzutragen.</p>
<p>Als er an der Tür des Verwaltungsbüros ankam, traute er seinen Augen nicht: Sein Freund war gerade dabei, das Namensschild von der Tür zu entfernen. Sein Gesicht sprach Bände. Als er Shmul erblickte, schüttelte er nur traurig den Kopf und meinte: „Wir reden vielleicht später, im Moment kann ich dir nicht helfen. Versuchs doch mal bei Tjela oben.“. Er wies mit dem Daumen auf die Treppe.</p>
<p>Nach dem Gespräch mit Tjela war Shmul sich sicher, dass er sich Teraminas endgültig zum Feind gemacht hatte. Sie hatte Tjela persönlich angeordnet, keine Gespräche mehr mit Shmul zu führen. Sie konnte ihm nur raten, das Ganze eine Zeitlang auf sich beruhen zu lassen und die stellvertretende Vorsitzende nicht noch weiter zu reizen. Da kam auch schon der Diener der Teraminas durch die Tür und klopfte aufdringlich mit dem Knöchel des Zeigefingers auf den Tisch. Er schlug Shmul vor, sich doch einfach ein paar Tage freizunehmen.</p>
<p>Shmul kochte. Er war immerhin Ratsherr – man hatte ihn mit Meister anzusprechen, verdammt nochmal. Was nahm sich dieser aufdringliche Kerl heraus, ihm einen Urlaub vorzuschlagen! Er konnte ihn nicht einmal rügen, weil Teraminas ihn sicherlich in Schutz nehmen würde. Er verwarf den Plan, Leute im Rat für seine Seite zu gewinnen und überlegte, wirklich eine Pause einzulegen. Sobald die Entscheidung über die Umsiedlung getroffen und ausgeführt war, denn er hatte noch nicht aufgegeben. Es ging um immerhin zweitausenddreihundert Arbeiter, die über kurz oder lang auf der Straße sitzen würden. Er rief seinen Diener Samuel zu sich und gab ihm entsprechende Instruktionen.</p>
<p>Natürlich war Shmul nicht immer schon Ratsherr gewesen. Er hatte zu Anfang auch nicht auf einen solchen Posten hin gearbeitet. Früher war alles anders, selbst seine große Leibesfülle und das schüttere Haar hatte er sich schwer erarbeiten müssen. Stolz war er, das gab er gern und oft zu, in der Regierung einen solchen Platz einzunehmen und für viele Fragen des Wohnungsbaus und der Stadtplanung die Verantwortung zu tragen. Doch andererseits rieb er sich schon seit einiger Zeit ständig mit anderen Abgeordneten und schien immer öfter den Kürzeren zu ziehen. Gern schwelgte er in Erinnerungen, die ihm vor Augen führten, dass früher nicht nur alles anders, sondern auch besser war.</p>
<p>Shmul war nie ein besonders fleißiger Schüler gewesen, oft träumte er im Unterricht vor sich hin und folgte den Anweisungen der Lehrer halbherzig oder weilte während seiner Arbeit im Geiste in anderen Welten. Das sollte aber nicht heißen, dass er ein schlechter Schüler gewesen wäre: Oft verblüffte er Schulkameraden und Ausbilder mit intelligenten Antworten und zeigte tiefgründige Einsichten, die von Kindern seines Alters nie gefordert worden wären.</p>
<p>Besonders gern verbrachte er seine Zeit mit Nachbarskindern und erforschte im Spiel Situationen, die sie in der Schule besprochen hatten. Sie diskutierten lebhaft über die besten Strategien, mit einem Elfenangriff fertig zu werden, erlebten auf selbst gebauten Spielbrettern historische Schlachten um die Stahlkuppel wieder und erklärten voller Selbstvertrauen, das Problem mit Untoten und Ratten gäbe es unter ihrer Herrschaft niemals. Jedes mal brach Shmul aus seiner Träumerei aus und nahm rege Teil an diesen virtuellen Szenarios. Hier brillierte er mit geschliffenen Reden und schaffte es meist, die anderen Kinder von seiner Meinung zu überzeugen. Dass sich unter Stress seine Fähigkeit, frei zu sprechen, extrem verschlechterte, sollte sich erst viel später zeigen.</p>
<p>Aber auch schlechte Seiten hatte das Leben damals: Er war oft krank, litt an einer Unverträglichkeit, die es der Familie aufbürdete, Schulden einzugehen, um frische Nahrungsmittel eintauschen zu können. So manches Mal fragte er sich, wie seine Eltern sich damals diese Sonderernährung leisten konnten. Frischnahrung war schon in der Zeit, in der er im Rat saß, eines der höchsten Privilegien, wurde als begehrte Handelsware getauscht und brachte mehr Profit als exotischste Drogen.</p>
<p style="text-align:right;">wordcount: 1091</p>
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		<title>Ohne Rast und ohne Ruh&#8217; Teil II</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 17:59:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romantext]]></category>

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		<description><![CDATA[Gorim nickte, streckte ihr die Hand entgegen und meinte: „Mein Name ist Gorim. Wer bist du? Und … du hast meine Frage nicht beantwortet &#8211; wie lange bin ich schon hier?“ Sie ergriff seine Hand sanft und erwiderte: „Kolakri. Ich meine, ich heiße Kolakri Sternenband, ich weiß, ein ungewöhnlicher Name. Ich wollte nicht sofort damit [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=28&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gorim nickte, streckte ihr die Hand entgegen und meinte: „Mein Name ist Gorim. Wer bist du? Und … du hast meine Frage nicht beantwortet &#8211; wie lange bin ich schon hier?“</p>
<p>Sie ergriff seine Hand sanft und erwiderte: „Kolakri. Ich meine, ich heiße Kolakri Sternenband, ich weiß, ein ungewöhnlicher Name. Ich wollte nicht sofort damit herausplatzen, um dich nicht zu beunruhigen: Du bist seit einer Woche hier. Du hattest hohes Fieber, da haben wir es für besser befunden, dich schlafen zu lassen. Keine Sorge, ich war die einzige, die dich gewaschen hat, meine Schwestern durften dir nur Essen einflößen und sich um deine Verletzungen kümmern.“ Sie kicherte mädchenhaft.</p>
<p>In diesem Augenblick wurde die Tür erneut geöffnet und Gorim sah zwei weitere junge Frauen, die erstaunt in das Zimmer blickten. Die eine rief verblüfft: „Er ist wach! Wie hast du denn das geschafft &#8216;Lakri?“ Sofort schob die zweite Frau &#8211; die Ähnlichkeit mit Kolakri war verblüffend, es mussten Drillinge sein &#8211; ihre Schwester in den Raum.</p>
<p>Offenbar sehr zu Kolakris Unmut: „Raus mit euch beiden, ich habe doch gesagt, keiner soll ihn stören. Na gut, er ist wach, ihr habt ihn gesehen, und jetzt verschwindet!“ Drohend erhob sie sich wieder von der Bettkante und ging mit erhobener Hand zwei Schritte auf die Eindringlinge zu. Diese wichen kichernd zurück, liefen aus dem Zimmer und schlossen die Tür. Von draußen hörte man sie aufgeregt miteinander sprechen.</p>
<p>„Verzeih mir meinen Ausbruch, aber wenn du schon dein ganzes Leben mit diesen … Hühnern verbracht hättest, wüsstest du ein wenig Ruhe auch zu schätzen.“ Sie stemmte die Hände in die Hüften und meinte in einem ähnlichen Befehlston wie vorher zu ihren Schwestern: „Und jetzt leg dich wieder hin, ich bringe dir etwas zu essen.“</p>
<p>Später erfuhr Gorim, dass diese Frauen wirklich Drillinge waren &#8211; eine schwere Bürde in Osrath. Die zuständigen Behörden wussten zwar um die Existenz von Suomia und Skalina Sternenband, doch wurde es nicht gern gesehen, wenn sich mehr als eine der drei Schwestern gleichzeitig öffentlich blicken ließ. Sie erhielten offiziell auch nur Rationen und Arbeit für eine einzelne Person, wenn es wohl mittlerweile einen wohlhabenden Förderer gab, der ihnen insgeheim das Nötigste zukommen ließ. Was er von den hübschen jungen Frauen als Gegenleistung erhielt, traute sich Gorim nicht zu fragen. Die Sternenband-Schwestern halfen einander wo sie nur konnten, doch da ihre Mutter sich vor der Niederkunft nicht eingehend hatte untersuchen lassen, war nur Kolakri amtlich gemeldet, während die anderen beiden die Wohnung nur selten verließen.</p>
<p>Einige Tage später war Gorim wieder halbwegs auf den Beinen &#8211; seine Wunden waren fast verheilt und Kolakri hatte es sogar fertig gebracht, einen Straßenfeldscher aufzutreiben. Dieser bleckte seine braunschwarzen Zahnstummel zu einem üblen Lächeln, als er seinen Patienten zum ersten Mal erblickte und machte ein paar anzügliche Bemerkungen, doch als dies keine Reaktion seitens „Frollain Stärnenband“ hervorrief, ging er sofort zur Arbeit über. Nicht allerdings, ohne dabei einen kleinen Schwatz mit Gorim zu versuchen.</p>
<p>„Wo ham die drei Hübschen dich denn uffjerissen, Bürschchen?“ In seinem Alter durfte er wohl fast jeden mit Fug und Recht „Mein Junge“ oder „Kleiner“ nennen, weshalb Gorim nicht protestierte.</p>
<p>Er beobachtete den Wundlecker bei seiner rituellen Waschung und entgegnete nur geheimnisvoll, im Scherz: „Wenn ich Ihnen das sagen würde, müsste ich Sie töten.“</p>
<p>„Dann lass mal jut sein, Kleener. Ick hab ooch schon so einje jefallene Jungs wieder uff de Beene jebracht, da wird das bei dir det reenste Zuckerschlecken.“</p>
<p>„Sie sprechen einen bemerkenswerten Symbionten-Dialekt, woher stammen Sie?“ versuchte Gorim das Thema zu wenden. Der Feldscher reagiert nicht weiter, begann stattdessen, die weitestgehend abgeheilten Wunden zu inspizieren.</p>
<p>„Weeste, als ick des erste Mal hier war, haste noch Eiter jeblutet, jetze musste mir nich mit Beleidjungen kommen.“ Wie um seiner Ermahnung Nachdruck zu verschaffen, drückte er mit der Fingerspitze in den Verlauf der größten Schramme auf Gorims Brust und dieser keuchte vor Schmerz auf, biss aber schnell die Zähne zusammen, um sich keine Blöße zu geben.</p>
<p>„Ich denke, Sie können sich jetzt schon wieder anziehen, Herr … Dreyhaupt war ihr Name, richtig? Ich möchte Sie bitten, noch einen Tag in der aufopferungsvollen Pflege bei den Sternenband-Schwestern zu verbleiben und sich anschließend für eben diese Pflege reichlich zu bedanken. Kommen Sie lieber nicht auf den Gedanken, mit einer der Damen etwas zu versuchen, Knochenbrüche sind nicht unbedingt mein Gebiet.“</p>
<p>Gorim hatte sich wieder angezogen und klappte den Mund wieder zu, dessen Kinnlade ihm angesichts des verschwundenen Dialekts heruntergefallen war. Wahrscheinlich war dies eine Marotte des Doks, um eine persönliche Beziehung zu seinen Patienten zu knüpfen. „Ich wollte Sie nicht beleidigen, Doktor. Ich habe nichts gegen die Symbionten, ich versuche eigentlich, auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen, ich bin Journalist. Und ich werde natürlich versuchen, die Schuld in der ich hier stehe, aufs Beste wieder gut zu machen. Gestatten Sie mir nur noch eine Frage?“</p>
<p>„Ja?“ antwortete der Dok misstrauisch.</p>
<p>&#8222;Sie haben als Jugendlicher versucht, das Ritual zu vollziehen, selber zu einem Symbionten zu werden. Sie wussten nicht, dass…“ „Nein, ich wusste es nicht. Aber ich sollte mir wohl Gedanken machen, das Mal an meinem Hals besser zu verbergen.“</p>
<p>„Ich werde natürlich vergessen, was ich gesehen habe, vielen Dank für ihre Hilfe. Sie waren es auch, der mir diese Verbände angelegt hat, oder? Bei allem Vertrauen in die pflegerischen Fähigkeiten der Sternenband-Schwestern, aber das war das Werk eines Wundle.. äh, eines Arztes.“</p>
<p>„Sagen Sie ruhig Wundlecker, ich weiß, wie die Zunft der Straßenfeldscher genannt wird. Sollten Sie einmal meine Dienste benötigen &#8211; und meine Fähigkeiten liegen vor allem im Bereich der Verschwiegenheit &#8211; dann fragen Sie Kolakri nach Dok Mortens.“ Damit war der seltsame Straßendoktor mit dem Zusammenräumen seiner kleinen Hebammentasche fertig. Ohne unnötige Worte zu verlieren, nickte er seinem Patienten zu und verließ das Zimmer wieder.</p>
<p style="text-align:right;">
<p style="text-align:right;">wordcount: 952</p>
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		<title>Kapitel 2: Ohne Rast und Ohne Ruh&#8217;</title>
		<link>http://osrath.wordpress.com/2009/08/13/kapitel-2-ohne-rast-und-ohne-ruh/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2009 08:15:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romantext]]></category>

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		<description><![CDATA[Gorim kroch durch Schutt und Staub, er hatte das verfallene Haus schon lange hinter sich gelassen, doch irgendwo musste er eine falsche Abzweigung erwischt haben, denn sein Weg führte ihn immer tiefer in die Eingeweide der Stadt. Scheinbar stundenlang kroch er durch einen feuchten und kaum beleuchteten Wartungsschacht, immer in dem Bewusstsein, dass ein schlecht [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=26&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gorim kroch durch Schutt und Staub, er hatte das verfallene Haus schon lange hinter sich gelassen, doch irgendwo musste er eine falsche Abzweigung erwischt haben, denn sein Weg führte ihn immer tiefer in die Eingeweide der Stadt. Scheinbar stundenlang kroch er durch einen feuchten und kaum beleuchteten Wartungsschacht, immer in dem Bewusstsein, dass ein schlecht gearbeiteter Kontakt oder ein leckes Gasrohr jederzeit sein Ende bedeuten konnten. Ratten gab es auch hier, doch die wirklich gefährlichen Exemplare mieden diese unwirklichen Habitate, sodass nur die gewöhnlichen feisten Nager diesen Schacht besiedelten. Seine Verletzungen hatten schnell aufgehört zu bluten, doch die Schmerzen in Brust und Rücken waren kaum noch auszuhalten und zehrten an seinen Reserven &#8211; er war so schrecklich müde.</p>
<p>Doch er wusste, dass ein kurzes Schläfchen sehr schnell seinen Tod bedeuten würde, denn hatten die Ratten erst einmal angefangen, an ihm zu nagen, hatten sie einmal Blut geleckt, würde er sie auch mit Händen und Füßen nicht mehr davon abhalten können, ihn bei lebendigem Leib zu fressen. Die Knie seiner Hose waren schon durchgescheuert und seine Beine genauso zerschabt wie seine Hände, doch er erkannte endlich eine Weggabelung. Dort sah er sogar eine Ausstiegsluke unter der er sich aufrecht hinstellen konnte. Leider war die Leiter nicht mehr zu gebrauchen und so sehr er sich auch bemühte, die glatte Betonröhre empor zu gelangen, er konnte sich nicht abstützen, seine Hände und Füße rutschten immer wieder ab, wurden glitschig vom Blut, das sich mittlerweile in kleinen Rinnsalen zu seinen Füßen sammelte.</p>
<p>Mit einem Mal begann das Blut schneller zu fließen, ebbte wieder ab und schoss erneut in einem kleinen Strom den Schacht entlang. Gorim hörte sein Herz schlagen, wusste, dass dies sein Blut war, dass in immer dickeren Bächen seine Füße umspülte. Schon waren seine Knie in den Fluten versunken und immer weiter pulste die rote Masse heran, wurde von seinem durch Angst beschleunigten Herzschlag immer weiter voran gepeitscht. Schnell füllte sich der gesamte Schacht und Gorim musste sich mit aller Macht in der Betonröhre abstützen, während sich der Ausstieg immer weiter nach oben entrückte. <em>Oh mein Gott, ich werde ertrinken, ich werde in meinem eigenen Blut ertrinken</em>. Der nächste Puls würde so viel seines Lebenssaftes in die Schächte schwemmen, dass ihm keine Luft und kein Halt mehr bleiben würde. Verzweifelt schnappte er nach Luft, versuchte hochzukommen, schlug um sich, wurde verschlungen …<br />
… und wachte endlich auf. Obwohl es zu seinem Traum gepasst hätte, war das Laken seines Bettes weder zerwühlt noch war er schweißnass. Ihn fröstelte ein wenig, also zog er die Decke, die er während des Aufwachens von sich gestoßen hatte, wieder bis zu seinem Hals herauf. Er wollte noch nicht aufstehen &#8211; auch die Schmerzen in Brust und Rücken, die ihn bis in seine Träume begleitet hatten, rieten ihm jetzt zur Ruhe. Er schloss die Augen. Dann öffnete er sie noch einmal und blickte sich in seinem Zimmer um. Der Raum war karg eingerichtet, ein kleines Waschbecken neben einem Wandschrank und ein kleines Tischchen mit einer Schale voller trockener Mürbekekse. Es war nicht sein eigenes Zimmer &#8211; dort würden Akten und Papiere verstreut liegen, der Fußboden wäre von verschiedenen Flecken marmoriert und dank eines lecken Abflussrohres würde es auch deutlich anders riechen. Also richtete er sich unter Schmerzen langsam auf. <em>Vielleicht sollte ich rufen, ob mir jemand erklären kann, wo ich bin? Aber vielleicht will ich das im Moment auch gar nicht wissen. Aber ich habe Durst. Verdammt, mein Mund ist ja so ausgetrocknet, ich könnte gar nicht rufen. Wer weiß, wie lange ich hier schon gelegen habe.</em></p>
<p>Er drehte sich vorsichtig zur Seite, schob die Decke beiseite und bemerkte, dass er bis auf einige frische blütenweiße Bandagen nackt war. In seiner Brust begann es rhythmisch zu pochen und das Blut dröhnte ihm in den Ohren, aber er biss die Zähne zusammen und richtete sich langsam auf. Seine Beine trugen ihn ohne weitere Probleme. Seine Angst legte sich ein wenig. So lange kann es dann ja doch nicht gewesen sein. Er tastete nach seinem Gesicht und stellte erstaunt fest, dass er auch frisch rasiert war. Wer kümmerte sich so sehr um ihn? Was würde er als Gegenleistung fordern? Dass dieser Ort nichts mit einer gewöhnlichen Krankenstation zu tun hatte, war ihm mittlerweile klar &#8211; jeder vernünftige Osrathi ohne höchste Privilegien versuchte, die medizinischen Einrichtungen weitestgehend zu meiden.</p>
<p>Er tappte über den kalten Fußboden zur Tür und fröstelte immer stärker. <em>Ich sollte mir wirklich etwas anzuziehen besorgen, sonst hole ich mir noch den Tod!</em> Er griff nach der Türklinke, doch jemand kam ihm zuvor, sie schwang auf und er blickte einen Moment erstaunt in die Augen einer jungen Frau. Ihr bleiches Gesicht wurde von dicken schwarzen Haarsträhnen rahmend umflossen, ihre Augen von dunklen Ringen umfasst. Ihr Blick wanderte nun langsam an ihm herab, gleichzeitig wich die Bleiche der Haut einer gesunden Röte. Ihre Mundwinkel zuckten kurz, dann riss sie sich zusammen, schaute ihm wieder ins Gesicht und meinte harsch: „Du solltest dir wirklich etwas anziehen! Ab ins Bett, sonst holst du dir noch den Tod. Ich habe mir nicht stundenlang Sorgen gemacht und versucht, dich wieder herzustellen, damit du nun in diesem … Aufzug durch meine Wohnung läufst! Und das in deinem Zustand!“ Obwohl er die Dame nicht kannte, ließ er sich von ihr mit sanfter Gewalt zurück zum Bett schieben. Er setzte sich auf die Kante und versuchte, seine Nacktheit mit der Decke zu bedecken.</p>
<p>„Hast du mich gepflegt? Wie lange habe ich geschlafen?“ Die Fremde setzte sich ungeniert neben ihm auf die Bettkante und antwortete: „Nicht lange. Wir haben dich in der Gosse liegend gefunden, du hast wirres Zeug von einem blauen Himmel gewimmert &#8211; Grund genug, dich aus der Schusslinie der Sicherheitsleute zu bringen. Zumal du offensichtlich nicht im besten Zustand warst. Du musst dir irgendwo ganz schön eine gefangen haben, die Wunden auf deiner Brust begannen bereits zu eitern, als wir dich fanden. Also haben wir dich von der Hämmerergasse bis hierher getragen. Solltest du dich fragen, wo wir hier sind: Es ist ein kleiner Seitenarm der Südstraße.“</p>
<p style="text-align:right;">wordcount: 1002</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Kapitel 1: Mit dem Kopf durch die Wand (II)</title>
		<link>http://osrath.wordpress.com/2009/08/10/kapitel-1-mit-dem-kopf-durch-die-wand-ii/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Aug 2009 08:56:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romantext]]></category>

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		<description><![CDATA[Er blinzelte, hob die Hand, um sein Gesicht abzuschirmen und atmete eine kurze Weile durch. Sekundenlang gewöhnten sich seine Augen daran &#8211; dann trat er einen Schritt nach vorn und war nicht mehr im direkten Strahlkegel der Lampe. Auf einer halben Tonne eingestürzten Mauerwerks lag zum Teil verschüttet eine halbe Tonne tote Ratte &#8211; ein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=22&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er blinzelte, hob die Hand, um sein Gesicht abzuschirmen und atmete eine kurze Weile durch. Sekundenlang gewöhnten sich seine Augen daran &#8211; dann trat er einen Schritt nach vorn und war nicht mehr im direkten Strahlkegel der Lampe.</p>
<p>Auf einer halben Tonne eingestürzten Mauerwerks lag zum Teil verschüttet eine halbe Tonne tote Ratte &#8211; ein muskulöser Fleischberg mit schütterem Haar, so dick wie feiner Kupferdraht. Ihre Augen waren geschlossen, die Schnauze ein einziger Matsch aus gebrochenem Kiefer, gesplitterten Zähnen sowie zerfetzter Haut und aus den weit aufgerichteten Ohren sickerte ein breiter Strom hellen Blutes. Die Ratten waren wohl vor dem hellen Licht geflohen – das tote Tier hatte sich beim Sprung gegen die Mauer den Schädel zerschmettert.</p>
<p>Der Staub begann sich immer mehr zu legen, sodass Gorim nun auch den Raum besser wahrnahm, den ihm die Ratte eröffnet hatte. Die Deckenlampe bestrahlte genau das Loch, als hätte der Installateur die Schwachstelle vorausgeahnt und damit gerechnet, dass sich dort jemand Zutritt verschaffen würde. Merkwürdigerweise schien es sich um ein Museum oder etwas ähnliches zu handeln.</p>
<p>Die zahlreichen Podeste und Vitrinen waren teilweise durch Steinsplitter zerbrochen oder angeschlagen. Ohne sie weiter zu beachten, strebte Gorim wie hypnotisiert auf ein großes Gemälde zu, das einzeln und extra beleuchtet an der gegenüberliegenden Wand hing. Es zeigte dutzende Menschen, die von einer komplett in weiß gewandeten Figur mit strahlenden Augen in ein Gebäude getrieben wurden. Sie beugten die Köpfe und die Schultern, als würden sie eine schwere Last erleiden und trotteten in mehreren Reihen hintereinander. Im Hintergrund erstreckten sich große runde Wasserflächen und grüne Erhebungen. Das befremdlichste an dem Bild war allerdings nicht die Landschaft sondern die blaue Farbe der Decke der Stadt und die große flammende Kugel, die die Szene offenbar beleuchtete.</p>
<p>Gorim lebte seit seiner Geburt in Osrath &#8211; man kann sich das Leben in dieser Stadt für keine Woche vorstellen, wenn man in Freiheit geboren wurde, wenn man den Geruch von frischer Luft und das heiße Kitzeln der Sonnenstrahlen auf der Haut in sich aufgenommen hat. Doch Gorim kannte weder einen blauen Himmel noch eine Sonne, die Luft, die er atmete war bereits durch dutzende Filter gewandert und das Licht, welches ihm den Weg leuchtete war kalt und tot. Während der Rest der Welt untergegangen war, verkrochen sich die Bewohner Osraths unter einer stählernen Kuppel, die den Tod aus- und die Menschen einsperrte. Diese Kuppel, kein Himmel, keine Sonne &#8211; diese Kuppel oder der Tod, das wusste jeder Mensch Osraths.</p>
<p>Verstört betrachtete Gorim das Bild noch eine Weile, dann fiel ihm erst das kleine Schild mit der Beschriftung auf: „Exodus der Osrathi ca. 50-55 Jahre nach der Katastrophe, noltharischer Maler, Öl auf Pergament, Beute der ersten Expedition unter Leitung von Dr. K. Bersowasch“. Erschrocken taumelte er zurück &#8211; dies war gar kein osrathischer Künstler. Von dieser Expedition hatte er gehört: Irrsinnig gewordene Zerrbilder der früheren Bewohner machten inmitten einer Staubwüste Jagd auf alles Leben, um es voller Wut zu zerreißen. Kein Grün, keine Sicherheit bietenden Verstecke waren zu finden – es gab kaum eine Lebensgrundlage, keinen Grund, sich dort heimisch zu finden. Lebensgefahr lauerte an jeder Ecke, Seuchen, wilde Tiere und &#8211; natürlich – Elfen.</p>
<p>Schritte hallten durch den Raum und rissen Gorim aus seinen Gedanken. Er machte sich schnell wieder auf den Weg nach draußen. Er spürte, dass er einen für ihn verbotenen Raum betreten hatte. Das Rechtssystem Osraths war einfach und effizient &#8211; die Wächter würden ihn vermutlich nicht einmal einem Richter vorführen. Sie konnten ihm schlimmere Dinge antun als das Gekratze der Ratten. Er schlüpfte durch das Loch in der Wand und verschwand wieder im Durcheinander verlassener Wohnungen und ungenutzter Wartungsgänge. Leise kroch er durch die fremde Umgebung, doch war er in Gedanken nicht bei der Sache, seine Angst war verflogen und es begegnete ihm kein feindseliges Wesen auf dem Rückweg. Da der Eingang, den er genutzt hatte, verschlossen war, irrte er stundenlang umher. Sein Geist dämmerte vor sich hin und er registrierte gar nicht, wie es ihm gegen alle Wahrscheinlichkeit gelang, einen unverschlossenen Ausgang zu entdecken.</p>
<p>Eine einzige Frage kreiste in seinem Kopf hin und her und ließ ihm keine Ruhe: Was habe ich da gerade gesehen?</p>
<p style="text-align:right;">
<p style="text-align:right;">wordcount: 686</p>
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		<title>Kommentar zu Prolog und Kapitel I</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Aug 2009 08:54:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht-Romantext]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin mir sehr bewusst, dass der Prolog eventuell sehr trocken rüberkommt und nicht zum weiterlesen animiert, dennoch wollte ich ihn in dieser Form lieber an den Anfang stellen als das actionlastigere erste Kapitel, da das Mücken-Motiv sich durch die gesamte erste Hälfte des Romans ziehen soll und ich es so früh wie möglich einführen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=20&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin mir sehr bewusst, dass der Prolog eventuell sehr trocken rüberkommt und nicht zum weiterlesen animiert, dennoch wollte ich ihn in dieser Form lieber an den Anfang stellen als das actionlastigere erste Kapitel, da das Mücken-Motiv sich durch die gesamte erste Hälfte des Romans ziehen soll und ich es so früh wie möglich einführen wollte.</p>
<p>Was denkt ihr, sollte ich die Sequenz im Rat lieber nach hinten verschieben und an der Stelle, an der Shmul den Saal betritt, auf Gorim umschneiden?</p>
<p>Die ersten paar Seiten sind extrem schwierig, weil ich versucht habe, zwei unterschiedliche Einstiege zu realisieren, die mir beide zu gut gefallen, um sie komplett zu verwerfen, aber sie machen natürlich dem Leser den Einstieg in das Buch recht schwierig.</p>
<p>Naja, erstmal liefere ich euch Teil II von Kapitel 1.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Kapitel 1: Mit dem Kopf durch die Wand (I)</title>
		<link>http://osrath.wordpress.com/2009/08/06/kapitel-1-mit-dem-kopf-durch-die-wand-i/</link>
		<comments>http://osrath.wordpress.com/2009/08/06/kapitel-1-mit-dem-kopf-durch-die-wand-i/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 12:36:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romantext]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Welt Ta&#8217;Ran liegt in Trümmern. Einst waren die Reiche von Menschen und Zwergen hoch entwickelt und industrialisiert. Doch die Wesen der Natur erhoben sich gegen die Anhänger der Technik und entfesselten die Wut des Krieges. Zuerst eroberten die Menschen und Zwerge dank der Überlegenheit ihrer Waffen im offenen Kampf viel Land und konnten ihre [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=14&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Welt Ta&#8217;Ran liegt in Trümmern. Einst waren die Reiche von Menschen und Zwergen hoch entwickelt und industrialisiert. Doch die Wesen der Natur erhoben sich gegen die Anhänger der Technik und entfesselten die Wut des Krieges. Zuerst eroberten die  Menschen und Zwerge dank der Überlegenheit ihrer Waffen im offenen Kampf viel Land und konnten ihre Kontrahenten schnell zurückschlagen. Doch nach der scheinbar letzten entscheidenden Schlacht, in der ein vereinigtes Heer aus Orks, Elfen und naturalistisch eingestellten Menschen vernichtend geschlagen wurde, erhoben sich dunkle Schatten über die Reiche der Sieger.</p>
<p>In einem grausamen Akt des Brudermordes opferten die Rao&#8217;Ka, die elfischen Frevler, tausende Ihresgleichen, um diesen Schatten zu beschwören. Aus einer fernen Welt, schon lange von Ta&#8217;Ran getrennt, riefen sie die hasserfüllten Daimon und gruben ihnen ihren Kontrakt tief in die Seelen ein. Der Vertrag verlangte das Opfer familiären Blutes, um das Blut ihrer Feinde vergießen zu können. Überall brach die Wirklichkeit Ta&#8217;Rans auf. Die Frakturen im Raum spien wütende Monstrositäten aus, die nicht nur Menschen und Zwerge töteten, sondern auch ihre Technik, sogar ganze Städte dem Erdboden gleichmachten. Zusätzlich stahlen sie ihnen die Erinnerungen, das Wissen, als das sie so lange personifiziert waren.</p>
<p>Die einst hoch entwickelten Reiche zerfielen in einer alles umfassenden Amnesie und vergingen binnen weniger Monate. Niemand, der vom Angriff der Daimon betroffen war, konnte sich an die Zeit vor dem erinnern, was als „große Katastrophe“ oder „Frevel der Rao&#8217;Ka“ in die Geschichte einging. Doch nicht alle technophilen Völker wurden vernichtet. Eine einzige Stadt blieb unversehrt. Dank der Voraussicht der technoiden Beraterin Tilia wurde eine große Stahlkuppel über der Stadt errichtet, um sie vor allem Unbill zu bewahren.</p>
<p>Wie knapp sie der Katastrophe entgangen waren, wissen die Osrathi heute nur zu gut. Eine Expedition in die Umgebung der Siedlung ergab, dass das Land in Schutt und Asche lag. Die Menschen waren verkommen, die Luft giftig, die Natur verrückt geworden. Niemand könnte mehr außerhalb der Stadt leben. Dass auch das Leben in der Stadt nicht einfach werden würde, zeigten die ersten Angriffe. Osrath hatte seitdem mit vielem zu kämpfen – zum einen musste die Stadt sich selbst ohne Sonnenlicht versorgen und ihren Bewohnern ein erträgliches Leben sichern. Zum anderen musste Tilia verhindern, dass die Feinde der Ordnung die Barriere durchbrachen, die die letzten Menschen vom Wahnsinn der Katastrophe trennte.</p>
<p><span style="text-decoration:line-through;">______________________________________________</span></p>
<p>„So eine verfluchte Scheiße!“ Wahrscheinlich noch nie in seinem Leben war Gorim ein so heftiger Satz entwichen. Er hatte sie sich bei der Flucht an einem schief hängenden Türsturz gestoßen und bisher keine Zeit gefunden, sich um die Wunde zu kümmern. Seine Stirn blutete. Aber er lief weiter. Sein Herz raste &#8211; so sehr, dass er jeden einzelnen Schlag in den Schläfen, in der Brust und in den Fingerspitzen fühlen konnte. Aber er stolperte weiter. Seine Handflächen waren von verrosteten Gittern, Glasscherben und Gesteinssplittern vollkommen aufgerissen. Dreck klebte in den Kratzer und schon jetzt deutete ein pochender Schmerz an, dass eine Desinfektion dringend notwendig war, aber er war immer noch in Bewegung. Er hatte sich in die Hose gepinkelt. Aber er hörte nicht auf, zu laufen.</p>
<p>Vor nichts hatte Gorim Dreyhaut mehr Angst als vor Ratten &#8211; und nun machte eines dieser Biester regelrecht Jagd auf ihn. Seine Furcht ging so tief, dass er entgegen all seiner Instinkte tief in die Dunkelheit eines halb verfallenen Gebäudes gestürmt war und nicht, wie es alle Vernunft gebot, nach Licht strebte. Seit er sich den Kopf gestoßen hatte, erlebte er alles wie durch eine dicke Watte, die alle Empfindungen bis auf seinen Herzschlag von ihm fernhielt und ihn distanziert auf die Szene blicken ließ, die sich ihm bot: Er hatte keinen Ausweg mehr. Und direkt hinter ihm hörte er das Atemgeräusch des Monsters.</p>
<p>Mit einem beinahe hörbaren Klirren zersplitterte die Glaswand und Gorim traf fast schmerzhaft wieder auf die Realität. Er hörte das intensive Schnuppern seines Jägers, spürte jeden einzelnen Schweißtropfen auf seinem Körper und roch insbesondere den sauren Atem der Ratte. Er kam näher. Innerlich verfluchte Gorim sich für die Torheit, das rettende Licht weit hinter sich gelassen zu haben. Die Verfolgungsjagd durch die Dunkelheit hatte mehrere Minuten gedauert und tief in die Eingeweide der Stadt geführt. Er musste sich eingestehen, dass er keinen blassen Schimmer mehr hatte, wo er war.</p>
<p>Ein wütendes Schnauben und mehrere kurz darauf folgende Faucher gaben ihm eine deutliche Antwort auf seine ungestellte Frage &#8211; inmitten eines verfluchten Rattennestes. „Oh nein…“ stöhnte er, doch ehe ihm weitere Laute entfahren konnten, riss ihn ein gewaltiger Schlag von den Beinen. Ein weiterer Lufthauch und eine schemenhafte Bewegung zeugten von weiteren Angriffen, die gegen ihn geführt wurden. Sie hätten ihn noch erwischt, wäre er nicht nach hinten gestürzt. Es krachte fürchterlich und im nächsten Moment stach Licht mit schmerzhafter Intensität durch seine Augen bis in seinen Hinterkopf und blendete ihn vollständig.</p>
<p>Die Ratte hockte jetzt auf ihm.</p>
<p>Das Ungetüm tobte auf seiner Brust und verpasste ihm mehrere infernalisch feuernde Kratzer. Er schlug wild um sich, traf aber nichts, da er nur helle Kreise tanzen sah. Dann verschwand das atemberaubende Gewicht seines Gegners plötzlich. Er konnte sich wieder bewegen, konnte wieder denken. Und er hatte sich schon wieder in die Hosen gepinkelt. Offenbar waren mit der Geschwindigkeit eines Gedankens alle Ratten verschwunden.</p>
<p>Völlig verstört richtete Gorim schließlich den Oberkörper auf, kam zum Sitzen und blickte sich in dem Durcheinander um, welches ihn umgab. Die zerborstene Wand war zum Teil in den Raum hereingebrochen, deckte eine gnädige Staubschicht auf die Hinterlassenschaften der Nagetiere. An vielen Steinen klebten blutige Fell- und Fleischfetzen. Während er sich weiter umsah, tastete er panisch an seinem Körper entlang und sucht nach schweren Verletzungen.</p>
<p>Glück gehabt &#8211; bis auf einige tiefe Kratzer von diesem Mistvieh auf seiner Brust &#8211; keine Brüche oder ähnliches. Die Beule an seinem Kopf würde bald wieder vergangen sein, aber sein Rücken schmerzte ebenfalls. Endlich schob er ein paar Steine beiseite, stand vollends auf und klopfte sich den Staub von seiner zerfetzten Kleidung. Naimo würde stinksauer sein, wenn sie ihn so erblickte. Aber andererseits wird sie froh sein, dass mir nichts passiert ist, wenn sie erst hört, was mir widerfahren ist. Mit diesem Gedanken drehte er sich um und blickte direkt in ein helles Licht.</p>
<p style="text-align:right;">Wordcount: 1.029</p>
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		<title>Geschichte Osraths</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 10:23:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derdolge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Ursprünglich stammt Osrath aus dem Dunstkreis des freien Rollenspiels &#8222;Mystic-Legends&#8220; und wurde dort als Setting im Setting entwickelt. Allerdings wurde mit der Zeit klar, dass es sich als Romansetting deutlich besser eignet als fürs Rollenspiel. Nachdem ein Plan, gemeinsam mit David Palme (im Tanelorn und im FERA als Reinecke angemeldet) ein kleines Regelwerk und eine [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=osrath.wordpress.com&amp;blog=8870217&amp;post=10&amp;subd=osrath&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ursprünglich stammt Osrath aus dem Dunstkreis des freien Rollenspiels <a href="http://mystic-legends.de">&#8222;Mystic-Legends&#8220;</a> und wurde dort als Setting im Setting entwickelt. Allerdings wurde mit der Zeit klar, dass es sich als Romansetting deutlich besser eignet als fürs Rollenspiel. Nachdem ein Plan, gemeinsam mit David Palme (im Tanelorn und im FERA als Reinecke angemeldet) ein kleines Regelwerk und eine Kampagne für Osrath zu schreiben (das Osrath.RPG) fehlgeschlagen war &#8211; es scheiterte vor allem an unterschiedlichen Regelvorstellungen &#8211; ließ ich das Projekt eine kleine Weile ruhen und entschied mich schließlich, Teile der Kampagnenideen in einen Roman einzubauen und begann, zu schreiben. Einen zusätzlichen Motivations- und Qualitätsschub brachte schließlich der bereits erwähnte Schreibwettbewerb des Heyne-Verlags, bei dem Osrath die Jury allerdings offenbar nicht zu begeistern wusste. Wirklich auf einen Sieg gehofft hatte ich nicht, es waren 1400 Einsendungen bei einem einzelnen Sieger, dem ein Vertrag versprochen wurde.</p>
<p>Jedenfalls habe ich mich jetzt entschieden, das Ganze hier vorzustellen, damit &#8222;Die Öffentlichkeit&#8220; &#8211; so sie denn möchte &#8211; trotzdem in den &#8222;Genuss&#8220; meiner Texte kommt. Weiterhin soll diese Form natürlich als Motivation dienen, die Geschichte trotz der Ablehnung durch den Verlag fertigzustellen, da nach der Einsendung bei Heyne die Luft bei mir ziemlich raus war.</p>
<p>Auf jeden Fall wünsch eich euch viel Spaß beim Lesen und Zerreißen!<br />
Christoph Dolge</p>
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